Opium für's Volk: Nebensächliches und Ablenkendes aus der großen Stadt, vom ersten Job, vom Leben usw...
21 Dezember 2013
Tag 14: on y va - Ende und Fazit
19 Dezember 2013
Tag 13: Begegnungen
auch an vorletzten Tag haben wir wieder einige interessante Menschen getroffen.
Wir habe uns kurz in den Ort gewagt, um noch ein wenig Geld zu besorgen und sind dann am Strand nach Hause gelaufen. In der Stadt trafen wir nur auf das übliche Geschwerl aus Souvenirverkäufern und Taxifahrern. Obwohl, einer war offensichtlich tatsächlich Bayern Fan, weil er nicht nur alle Spieler kannte, sondern auch noch die aktuellen Ergebnisse von der Club WM. Eine andere Verkäuferin hat uns tatsächlich in aller Ruhe gucken und suchen lassen, eine Seltenheit hier. Einer allerdings war zufälligerweise gleich Fan des FC Swansea, als ich behauptet habe, dass ich da her käme.
Am Strand trafen wir dann noch auf einen Tuareg aus Mali. Ein ungewöhnlich netter Mann. Und weil seine Geschichte vom Krieg und den fehlenden Touristen und vom schweren Leben in der Ferne nicht nur herzergreifend war sondern auch noch absolut plausibel klang, haben wir ihm eine Kleinigkeit abgekauft.
Im Gegensatz zu der Zicke mit ihren Tüchern. Die hat uns gestern schon nicht in Ruhe gelassen und heute wollte sie damit weitermachen. Als wir wieder nicht auf ihre "wir habe doch nichts zu essen" Story und die angeblichen Krankenhausrezepte eingestiegen sind, hat sie uns irgendwas hinterher geflucht.
Wir sahen auch den Herrn wieder, der gestern unsere Landsfrau zusammen gestaucht hat. Wir haben nochmal freundlich über die Situation von gestern gesprochen. Er meinte sie hätte uns wohl eine äußerst unfreundliche Art beigebracht, wie man sagt, dass man nichts kaufen möchte und, dass es nicht notwendig sei, soetwas zu sagen, weil die Verkäufer ja nur ihre Waren zeigen wollen. Wir haben dann deutlich gemacht, dass es eben doch Situationen gibt, in denen das angebracht ist, weil die Verkäufer eben nicht locker lassen. Wie gesagt, das Gespräch verlief höflich. Beide Seiten haben ihre Standpunkte deutlich gemacht. Ganz einig sind wir uns wohl nicht geworden.
Dann war da noch der junge Mann, der sich eine Weile nett mit uns unterhalten hat. Wir haben ihn erst ein wenig ignoriert, weil man ja immer darauf wartet, dass gleich die Verkaufsveranstaltung beginnt, aber die blieb dann einfach aus. Stattdessen hat er uns ein Afrikakettchen geschenkt und ist weiter gezogen. Das gibt es also auch.
Was es aber wohl auch gibt sind komplett Irre. Es tut mir ja leid für den offensichtlich mental gehandicapten Jungen aber irgendwann ist dann auch Schluss mit der Toleranz. Erst schob er ewig sein Fahrrad neben uns her, dann fing der notgeile Typ davon an wie "toll" er meine "Ehefrau" findet und zum Schluss fing er auch noch an uns an zu grabschen und zog blank. Ja genau. Wir bekam definitiv viel mehr zu sehen, als wir sehen wollten und waren dann doch froh, als wir endlich zurück am Hotel waren und die Gittertür hinter uns zumachen konnten.
Nicht begegnet, sind wir den Franzosen, die hier hinter hohen mit Bougainville bewachsenen Mauern ihre Anwesen gebaut haben. Einer unserer vielen neuen Freunde erzählte uns noch, dass das Business mit den Franzosen immer schwieriger werde, da immer mehr ihre eigenen Häuser haben, ihre Freunde direkt zu sich einladen und ihre Ausflüge selbst organisieren. Ein verständliches Problem, für ein Land, dass so stark vom französischen Publikum abhängig ist.
In diesem Sinne sind wir vorbildlich. Wir haben unsere Geld schön im Land verteilt.
salut et legi legi
18 Dezember 2013
Tag 12: Anfang vom Ende
Heute stand ein letzter Hotelwechsel an. Mit Ali machten wir uns auf den Weg vom Sine Saloum zur Petit Côte. Mit einem kurzen Zwischenstopp am größten Baobab des Senegal und in Joal Fadiout. Das erste der beiden Zwillingsörtchen liegt auf dem Festland, das zweite auf einer künstlichen Insel, die aus Muscheln aufgeschüttet wurde. Das sieht schon ganz nett aus, die Straßen aus Muscheln, Muscheln an der Hauswand, Muscheln am Souvenirstand. Vor allem Fadiout steht auserdem sozusagen symbolisch für das friedliche Miteinander von Christen und Muslimen im Senegal. Die kleine Friedhofsinsel beherbergt die Toten beider Glaubensrichtungen Seite an Seite. Ein schönes Bild.
Danach ließen wir uns von Ali noch am Strandhotel für die letzten Tage absetzen. Das war schwieriger als es sich anhört, denn erstmal konnten wir uns nicht für einen Ort entscheiden, dann waren die Hotels plötzlich fast doppelt so teuer wie im Lonelyplanet angegeben und schließlich konnten wir das eine, auf das wir uns geeinigt hatten nicht finden... Aber schließlich und endlich sind wir jetzt hier. In unserem kleinen Refugium in einem unaussprechlichen Ortsteil von Saly. Und Ali ist wieder weg. Auf dem Weg zu seinem nächsten Job.
Der Vorteil unserer kleinen Odyssee auf der Suche nach dem Hotel ist, dass wir auch schon einen kleinen Eindruck vom eigentlichen Zentrum von Saly gewinnen konnten, einem der Zentren des Pauschaltourismus hier und das macht uns umso froher, diese ruhige Ecke hier gefunden zu haben. Obwohl man natürlich auch hier dumm angequatscht wird. Aber das ist man ja inzwischen mehr oder weniger gewohnt. Nicht gewohnt ist man, wenn man plötzlich auf Deutsche trifft. Ein älteres Pärchen aus Frankfurt Oder praktisch ohne englisch oder französisch Kenntnisse, hat sich hier in einen Club verirrt, wohl schon zum x-ten Mal. Die nette Dame wollte uns noch beibringen wie wir auf Wolof lästige Verkäufer abwimmelt. Leider ging der Schuss nach hinten los und sie hat richtig Ärger bekommen. Der Verkäufer konnte deutsch, hat's migekriegt und dann Stunk gemacht. Die Arme.
Puis, schon halb 10. Zeit fürs Bett. Bonne nuit und legi legi
17 Dezember 2013
Tag 11: Tom, le pecheur
Die Wiederentdeckung der Langsamkeit geht weiter. Ein weiterer Tag der davon getrieben war nichts zu tun. Wir fuhren mit unserer Piroge an den Mangroven vorbei, schauten ein wenig nach links und dann ein wenig nach rechts und warteten am Angelplatz bis unser Mittagessen anbiss. Die großen Fische ließen sich zunächst viel Zeit und knapperten lieber den Köder ab als ordentlich zu zubeißen, aber nach einiger Zeit hatten wir 3 schöne in der Kiste. Auch TS und ich durften je einen einholen. Sehr schön. Schließlich wurde einer am Strand gegrillt und aufgegessen und im Prinzip war das das Programm für heute.
Tom ist wie immer mein Alter Ego. Funktioniert super. Nur das mit dem Studentsein und die 27 nimmt mir niemand mehr ab. Muss wohl am lichteren Haupthaar und an den tiefer werdenden Lachfalten liegen. Die Zeiten in denen ich also für zu jung gehalten wurde sind wohl vorbei. Dafür sind TS und ich über all als die Jungvermählten bekannt. Wenn ich also wieder in den Senegal reisen sollte, muss TS wieder mit. Zumindest hab ich das neulich Abdullah versprechen müssen.
Für mehr Text bin ich jetzt zu erschöpft. Also salut et legi legi
Tag 10: genauer hinsehen...
Senegal ist und bleibt einfach kein Land der ersten Eindrücke, zumindest nicht für solche der positiven Art. Heute fuhren wir von Kaolack nach Ndangane, ins ach so schöne Sine Saloum Delta. Und vorsichtig ausgedrückt hielt sich meine Begeisterung zunächst in Grenzen. Die kleine Hotelanlage wird renoviert, wegen Baumaßnahmen an der Straße gibt es ein Wasserproblem, d. h. duschen ist Glücksache, Internet funktioniert schon seit Tagen nicht, schon beim Aussteigen aus dem Auto wurden wir vom ersten Verkäufer angequatscht, der Ort selber bot erstmal einen sehr uncharmanten Anblick.
Aber so nach und nach gewöhnt man sich ein. Wir haben in der Strandbar gemütlich einen Saft getrunken, die teure Pirogenfahrt für morgen gebucht, nett zu abend gegessen (Baracuda) und gerade noch von den französischen Hotelbetreibern den Verdauungschnaps spendiert bekommen. Und Ali hat wieder aus seinem Leben erzählt: dass er, bevor er den Auftrag bekommen hat uns durchs Land zu kutschieren für 2000 CFA (3 Euro) am Tag auf der Baustelle gearbeitet hat, dass er keinen regulären Job hat und deshalb auch keine Steuern zahlt und, dass er 2006 400.000 CFA für einen Platz auf einem Schlepperschiff gezahlt hat, mit dem er illegal auf die Kanaren geflüchtet ist, allerdings wenige Tage später wieder zurück geschickt wurde. Tatsächlich ist er nicht der erste, der und so was erzählt, auch der nette Fischer aus Saint Louis berichtete eine ähnliche Geschichte. Ali ist uns ein sehr treuer und sehr hilfreicher Begleiter geworden. Er hat uns heute auch geholfen, den Preis für die Pirogenfahrt von 60.000 auf 50.000 CFA runter zu handeln, und er saß neben uns am Tisch, als wir für 10.000 CFA unser Abendessen genossen. Was mag in ihm angesichts dieser Summen vorgehen? Schwer auszumahlen.
Süße Träume, bonne nuit et legi legi
15 Dezember 2013
Tag 9: ist doch auch egal
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Miniatur-Stonehenge |
14 Dezember 2013
Tag 8: Meet Ali
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Moschee von Touba |
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einer von vielen Gebetsräumen in der Moschee |
13 Dezember 2013
Tag 7: Der Abschied naht
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Markt in Saint Louis |
12 Dezember 2013
Tag 6: lazy beach day
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der menschenleere Strand |
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unsere schattensprendenden Akazien |
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unsere reizenden Musiker (der im T-Shirt ist der anhängliche Freund) |
11 Dezember 2013
Tag 5: i love it
10 Dezember 2013
Tag 4: was für ein Tag
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Straßen von Saint Louis |
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Straßen von Saint Louis |
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Mokhbar auf seinem Boot |
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Die Models haben sogar gratis posiert |
Tag 3.5: Zeitangaben
Tag 3: boahhhh....schwierig
Also es bleibt .... schwierig. Ich bin froh, dass wir Dakar Area jetzt hinter uns lassen werden und hoffe auf eine entspanntere Atmosphäre in Saint Louis. Ich glaube, das ständige abgezocke ist man ja aus anderen Ländern gewöhnt, aber der Unterschied ist, dass es hier einfach immer gleich um mehr Geld geht.1000 CFA sind eine Standardgröße und das sind dann eben auch gleich mal 1,50 Euro. Zur Veranschaulichung: wir machten uns vorhin auf den Weg zum Busbahnhof. Natürlich blieben wir nicht lange allein. Babou erzählte uns von seinem Bruder in Wiesbaden und am Bahnhof stellte er uns den ersten Kontakt vor. Die Buschtaxifahrer wollten aber nur für uns fahren und das war uns zu teuer. Das Problem: Dieser Bahnhof ist ein einziger Blechfriedhof - Autos, Autos, Autos und dazwischen Busse und Menschen.... Wir ließen also zu, dass die Taxifahrer von vorhin uns den Weg zum Bus zeigten. Resultat: zu dem ticket 2600 CFA kamen 1000 pro Rucksack, das war noch zu erwarten. Dann noch 1000 für den "Platzanweiser " im Bus. Dann noch 5000 für alle die uns geholfen habe und dann nochmal 1000 für den ersten Typ, der uns ein Stück begleitet hat. Aber hoffentlich führt das dazu, dass wir mit unseren Rucksäcken in Saint Louis ankommen werden.
Davor waren wir heute auf Gorree einem ganz netten Inselchen mit trauriger Sklavenhandels Geschichte und davor waren wir bei der Polizei, weil jemand erzählte, da könnte man "verlorene" Ausweise wiederfinden. Resultat: 20000 CFA Schmiergeld weniger, zwei gestempelte Papiere mehr, aber keine Ausweise.
Nun gut. Nennen wir es Entwicklungshilfe.
08 Dezember 2013
Tag 2: Entschleunigen! Wir arbeiten noch dran
Heute ist Sonntag und wie das eben so ist, am Sonntag steht das Öffentliche Leben. Wir liefen ein wenig durch die verwaisten Straßen und mussten schnell feststellen, dass die Schönheit Dakars sich jetzt nicht unbedingt direkt auf den ersten Blick aufdrängt.
Wenigstens wurden wir heute nicht beraubt. Zumindest nicht direkt. Wir ließen uns allerdings von einem Touristenjäger abschleppen und zahlten dann dafür, dass yoro uns mit nach Hause nahm, uns Essen servierte, uns von seinem kleinen Cousin an den garantiert Touristen freien Strand bringen lies und am Ende noch zu einer lustigen Tanzveranstaltung zu Ehren einer Geburt mitnahm. In Summe klingt das jetzt aufregender als es war, denn zwischen den Programmpunkten verging doch recht viel Zeit. aber vielleicht ist das genau die richtige Art hier zu Reisen. Ohne Checkliste, ohne Zeitdruck....
Yoro verkaufte uns das ganze übriges als Probe Veranstaltung. Sein eigentlicher Jackpot besteht in der Möglichkeit, dass wir ihn noch für unseren 5tagigen Ausflug in den Süden buchen könnten. Immerhin spricht er gut englisch....ob er den gewonnen hat steht aber noch nicht fest. Das mit dem Englisch ist wichtig, denn mein Talent für Wolof ist quasi nicht existent.
Si. Ich bin so fertig, dass ich jetzt sofort Schluss machen und schlafen gehen muss. also
Bonne nuit
07 Dezember 2013
Tag 1: Dakar
Der erste lange Reisetag ist vollbracht. Er begann mit einer Busfahrt um 5:23h und fand ein vorläufiges Ende in einer Taxirundfahrt durch Dakar. Dazwischen klappte alles erfreulich gut. Die S-Bahn fuhr, die Flieger waren pünktlich, Frl. ts wartete wie verabredet in Brüssel am Gate auf mich, die Visaprozedur in Dakar zog sich zwar etwas in die Länge, verlief aber reibungslos und besonders wichtig: es gab den üblichen Gratiskaffee von der Lufthansa im Terminal 2.
Als wir endlich im Hotel eingecheckt hatten, war es bereits 19h.wir wollten also nur noch mal kurz raus, was essen gehen, Wasser kaufen und vielleicht etwas die Füße vertreten. Das Ergebnis: 2h später waren die Mägen zwar in jeder Hinsicht gut gefüllt, die Taschen aber erheblich leichter. Denn kaum in Dakar angekommen, wurden wir auch schon beklaut. Die Masche: 2-3 Männer verwickeln uns in die gewohnten "schau mal was ich Dir tolles verkaufen kann nein Gespräche. Plötzlich fangen sie an, wie gestört an den unteren Taschen meiner Cargohose rum zu zupfen. Auch wenn da nix drin ist, sind meine und tsses Aufmerksamkeit abgelenkt. Außerdem zupfte wohl auch noch einer an tses Schulter rum. Der perfekte Moment, um in tses Rucksack zu fassen. Nun gut. Nur Geld und ein paar hier nicht benötigte Ausweise verloren und einen teure Lektion gelernt. Und Frl. ts die Laune verdorben.
Ohne diese Vorfälle (der erfolgreiche Diebstahl war det 3. Versuch dieser Machart) wäre mein erster Eindruck heute sehr positiv ausgefallen. Das begann schon, als ich den kleinen Flughafen betrat. Ich war regelrecht elektrisiert von der Tatsache, jetzt endlich in Afrika angekommen zu sein. Nach gefühlt 5mal Asien ist das jetzt mal wieder was richtig neues.
Ich bin jedenfalls gespannt wie's weiter geht.
Ba beneen & Bonne nuit
T minus 7,5 Stunden: soll ich jetzt noch ins Bett gehen?
Gerade eben bin ich mit packen, mp3 Player und Handy bespielen, Akkus aufladen und Speicherkarten formatieren fertig geworden. Ich würde mal sagen, just in time, denn in weniger als 8 Stunden geht der Flieger. Ich schätze ein wenig mehr Vorbereitung im Vorfeld wäre wohl sinnvoll gewesen, aber nun gut, ist ja alles fertig geworden und schlafen kann ich ja in der S-Bahn, am Flughafen und im Flieger....
Denn, da Xaver den Flugplan in Europa doch nicht so durcheinander wirbelt wie befürchtet, geht es morgen los.
Wohin?
In den Senegal!
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Genauer gesagt: erstmal nach Dakar, dann nach Saint-Louis und dann irgendwo ins Sine-Saloum-Delta oder an die Petite Côte.
Ich freu mich! Endlich schaffe ich es nach Afrika und zu Verdanken ist das dem Frl. ts aus Berlin, dass sich bereit erklärt hat, mich zu begleiten und das ich hoffentlich beim Umsteigen in Brüssel am Flughafen treffen werden.
So, jetzt vielleicht doch noch ein paar Stündchen Schlaf und dann geht's los
Ba beneen oder auch Salut et bonne nuits