18 März 2010

Tag 7-8: Brrrrrrrrh

Reaktionen: 
Nein, dass ist kein neues arabisches Wort, dass ich heute gelernt habe. Das ist ein ganz europaeischer Ausdruck, um ein Kaelteempfinden auszudruecken. Denn ja, es ist ganz schoen frisch in Aleppo. Deutlich unter 20 Grad, um genau zu sein. Heute zeigte ein Thermometer am Strassenrand satte 13. Gestern ging es ja noch, da wechselte das Wetter zwischen Sonne und Wolken und wenigstens in der Sonne war es ganz gut auszuhalten. Heute wurden wir auf unserem Ausflug allerdings von Gewitterschauern geradezu verfolgt. 13 Grad und Regen sind eine verdammt kuehle Angelegenheit. Zumal die Klamotten doch eher auf sonnigeres Wetter ausgelegt sind. Heute waere mir die gefuetterte Funktionshose, die zu Hause im Schrank liegt jedoch deutlich lieber gewesen, als das duenne Stoeffchen der Zip-off-Hose.

Aber genug vom Wetter. Seit vorgestern sind wir also in Aleppo, der vermutlich zweit groessten Stadt Syriens. Der erste Eindruck gestern war doch eher ernuechternd. Die Unterkunft unserer Wahl war leider ausgebucht, das laut Reisefuehrer zweitbeste bezahlbare Etablissement am Platze war zwar schon sauber, aber doch eher uncharmant und wenig einladend, aber fuer die erste Nacht blieb uns eben keine Wahl. Die Gegend an sich ist auch nicht gerade die huebscheste der Stadt. Wir haben schon festgestellt, dass sich in einzelnen Strassenzuegen immer bestimmte Branchen sammeln. In unserer Gegend sind das wohl eher Eisenwaren und Autoersatzteillaeden.
Seit gestern wohnen wir zumindest im Budget-Hotel der ersten Wahl und sind gluecklich damit.

Die Tatsache, dass wir mal wieder laenger als eine Nacht an gleicher Stelle verweilen, nutzten wir auch gleich fuer ausgiebige Waschaktionen. Einige, fuer uns eher unkritische Waeschestuecke gaben wir an der Rezeption ab, wo sie fuer uns zum Waescheservice weitergeleitet wurden. Es stellte sich heraus, dass nicht alle Kleidungsstuecke so unkritisch waren wie wir dachten. Der Crashed-Look-Rock von Frl. ts ist, nun ja, knitterfrei. All die schoenen Falten wurde von fleissigen Haenden liebevoll rausgebuegelt. Sonst war jedoch alles OK, die Waesche ist mal wieder richtig sauber und es ging auch noch innerhalb eines Tages. Kritische Sachen wuschen wir gestern abend noch per Hand. Wir fanden naemlich ueberraschend heraus, dass unser Zimmer sogar einen kleinen Balkon hat, auf dem wir die entsandeten Funktionsklamotten zum Trocknen aufhaengen konnten. Lieder stellte sich dann aber ueber Nacht der erwaehnte Regen ein. Jetzt haengen die Klamotten eben doch im Zimmer, ueber der funktionierenden Heizung und im Raum herrscht ein angenehm tropisches Subklima.

Natuerlich gibt es von Aleppo auch schoenes zu berichten. Die Altstadt ist wirklich nett, die Zitadelle beeindruckend, das Christenviertel mutet beinahe andalusisch an (vermutlich ist es eher anders herum, da die maurischen Einfluesse ja gerade Andalusien praegen) und die Suqs sind tatsaechlich lang und schoen. Allerdings haben wir festgestellt, dass Aleppo doch um einiges anstrengender ist als Damaskus. Die Haendler sind offensiver, an kaum einem Stand oder Laden kann man vorbeilaufen, ohne dass jemand "How are you" oder "Where are you from" fragt, und versucht einen so in sein Geschaeft zu locken und auch sonst wirkte Damaskus auf uns entspannter. Es waren auch wesentlich mehr Familien oder Frauen unterwegs. Hier, so ist der Eindruck, ist das oeffentliche Leben doch eher maennerorientiert.



Ansonsten haben wir heute mit drei merkwuerdigen Franzosen eine Tour in die Umgebung von Aleppo unternommen. Wir haben sehr viele alte Steine gesehen, einen Hetiter-
Tempel vom 10 Jhd. vor Chr., eine tote byzantinische Stadt, ein paar roemische Felsengraeber, die Wirkungsstaette des Heiligen Simon (der 30 Jahre auf einer sehr hohen Saeule lebte) und so weiter. Interessant war vor allem auch der Blick auf eine ganz andere Landschaft. Das Kurdenland im Norden ist viel gruener und fruchtbarer. Jede Menge Mandel- und Apfelbaeume, die leider erst zum Teil bluehten und sonstige Felder und Nadelwaelder vor Felsenwaenden. Als ploetzlich auch noch die Kuehe auftauchten war es fast alpenlaendisch. Fast.



Allein 10 Grad waermer waeren fein gewesen. Vielleicht ja morgen. Dann geht es wieder Richtung Sueden. Erst nach Hama und am Tag darauf nach Homs. Vermissen werde ich von Aleppo vor allem die grandiosen Suessigkeiten, die es ueberall am Strassenrand zu kaufen gibt. Da koennte ich mich reinlegen. Echt jetzt.

Apropos reinlegen. Mein Bett ruft.

Chatrak!

P.S. Auch Frl. ts sendet Gruesse an die ihr bekannten Leser! Auftrag ausgefuehrt.

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