15 Dezember 2013

Tag 9: ist doch auch egal

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Wäre ich nicht so ein notorischer "Glas-halb-voll-Seher" hätte ich heute vielleicht Grund mich zu ärgern, denn die "Megalithen" südlich von Kaolack hatten im Gegensatz zur Beschreibung des Reiseführers so gar nichts von Stonehenge. Zugegeben, die Anordnung und die mysteriöse Herkunft erinnern etwas daran, und es soll wohl auch größere geben, als die die wir gesehen haben, aber die Erwartungshaltung war eine andere. Wir haben auch nur eine von vielen Steingruppen gesehen, weil unser extra angeheuerter Guide Abdulla die andern nicht gefunden hat. Das wurde von uns allen erst lange totgeschwiegen, bis uns dann die - nicht unplausibelen - Ausreden präsentiert wurden, dass zu dieser Jahreszeit die Wege alle gleich aussehen würden und v.a., dass die hohen Gräser überall es zu gefährlich für uns machen würden zu den Steinen zu laufen, weil darin Schlangen lauern könnten. Dem Argument konnten wir dann nichts entgegen setzen.
Miniatur-Stonehenge
Andererseits ist das aber auch ganz egal, denn unsere Ausflugsfahrt hatte andere Pluspunkte zu bieten: Da wäre die Fahrt an sich auf immer enger und holpriger werdenden Sandstraßen, mitten durch die Dörfer im Hinterland. Afrika pur. Dann wäre da die Kinderschar, die uns auf dem kurzen Fußweg vom Dorf zur Steingruppe begleitete und immer größer wurde. Da wäre die Erkenntnis, dass der Saloum Fluss Salzwasser führt, aus dem Salz auch für den Export gewonnen wird, und, dass Überschwemmungen regelmäßig Bäume absterben lassen, deren Holz dann die Dorfbewohner als Brennmaterial verwenden. Außerdem wäre da noch der heilige Affenbrotbaum, der uns gezeigt wurde, der als Beschneidungsplatz dient.




Am wichtigsten wäre aber wohl die Einladung zum Essen von Abdulla nach der Tour. Es gab natürlich Reis mit Fisch, vermutlich Trockenfisch, recht lecker und anschließend die senegalesische Teezeremonie. Der Tee, grüner Tee mit Minzblättern wird drei mal mit Zucker aufgekocht und nach jedem Brühvorgang wird der Tee solange von Becher zu Becher hin und her und wieder in die Kanne zurück geschüttet, bis genügend Schaum produziert wurde, denn erst dann kann er ausgeteilt werden. Das alles dauert recht lange und so bleibt viel Gelegenheit zum Reden. So erzählte uns unser Fahrer Ali, dass er 33 Jahre alt ist, 2 Frauen hat und mit diesen Frauen 5 Kinder. Deshalb denkt er langsam über Geburtenkontrolle nach. Die 8 köpfige Familie lebt gemeinsam in einem 4 Zimmer Haus. 1 Zi für jede Frau, ein Zi für die Kinder und ein Salon. Er selbst, das ist streng geregelt, schläft abwechselnd 2 Nächte bei der einen und bei der anderen Frau. Überhaupt scheint das ganze Familienzusammenleben strengen sozialen Regeln zu folgen. Dann erklärte er uns noch,  dass seine Frauen auch das Recht hätten sich scheiden zu lassen, wenn er z.b. seine Versorgerrolle nicht ausfüllt. Allerdings gehören die Kinder dann ihm. Und sie muss mindestens 3 Monate 10 Tage warten, bis sie einen neuen heiraten darf, weil es sicher sein muss, dass sie nicht schwanger ist. Usw........ Dann kam das Gespräch auf traditionelle Medizin, Aberglaube und Talismane, die wohl immer noch weit verbreitet sind, denn Ali zeigte uns seine Lederbänder um Oberarm und Bauch, die sein Vater ihm zum Schutz gegeben hat. Ali erzählte auch noch, dass er nur eine Koranschule besucht hat und französisch erst spät im Privatunterricht gelernt hat. Wie gesagt, es war ein langes aber sehr interessantes Gespräch.
Nach so einem anstrengenden Tagesprogramm waren wir natürlich ziemlich erschöpft. Deshalb ließen wir den Nachmittag gepflegt am Hotelpool ausklingen.
In diesem Sinne.... bonne nuit er legi legi.

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